Short story by Wanda Sonnemann

“Wir brauchen deine Hilfe!” Der Ton meines kahlköpfigen Gegenübers ist verzweifelt, flehend: “Du bist der einzige der es tun kann.”

Ich sitze von umringt Männern und Frauen in staubigen Uniformen, Ihre Waffen an ihre Körper gedrückt, die Blicke auf mich gerichtet. Dies ist ihre letzte Operation, und sie droht zu scheitern, ehe sie auch nur begonnen hat.

Ich fühle mich unwohl im Zentrum der Aufmerksamkeit, möchte zurück zu meinen eigenen, kleinen Problemen. Zurück in meine eigene Zeit.

“Warum ich? Was zur Hölle soll ich tun können um euren Feind aufzuhalten?”

Sie starren mich an, ihre Augen geisterhaft. Der Rebellenanführer mir gegenüber gestikuliert in Richtung der gebrochenen Skyline, die ich so anders in Erinnerung habe.

“All dies? Die Zerstörung, der Krieg? Es ist die Tat eines Mannes namens Ash Raylor. Er ist was du werden wirst. Und heute wird er die Kontrolle übernehmen. Über alles.”

Meine Sicht verschwimmt bei der Nennung meines Namens. Fieberhaft versuche ich Gründe zu finden, warum sie falsch liegen. Sich getäuscht haben müssen. Aber gleichzeitig Akzeptiere ich es als die Wahrheit. Warum sonst sollten sie diese extremen Maßnahmen ergreifen.

“Wenn ich wirklich das alles getan habe, warum beendet ihr es nicht hier und jetzt?” ich schlucke. “Ich würde dann niemals der Mann werden, gegen den ihr heute kämpft.”

“Genau das ist das Problem” sagt die Frau hinter dem Rebellenanführer. Die Frau, die die Zeit selbst durchbrochen hat, um mich hierher zu bringen. “Wenn du hier stirbst, haben wir nie einen Grund zum Kämpfen gehabt. Wenn wir nicht Kämpfen, haben wir dich nie getötet. Ein Paradox.” Sie blickt mir direkt in die Augen: “Du wirst nicht hier und nicht heute sterben. Jeder in diesem Raum würde, wird sein Leben geben um das zu gewährleisten. Aber wir haben einen Plan. Wirst du uns helfen?”

Ich nicke, wie betäubt. Niemand spricht.

Die Stunden verstreichen in einem Strom aus Funksprüchen, dumpfen Explosionen und Orientierungslosigkeit. Ich sitze in einem Fahrzeug während draußen die Rebellen sterben. Niemand hat mir gesagt, wie ihre Chancen stehen. Niemand hat mir irgendetwas gesagt. Ich versuche zu schlafen, ohne Erfolg.

Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist als die Forscherin, ihr Gesicht verdreckt und blutverschmiert, den Kopf durch die Seitentür hereinsteckt und mich ruft

“Es ist Zeit.”

Ich klettere aus dem Fahrzeug, stehe in einem Kreis bulliger Soldaten. Erst jetzt sehe ich, dass der linke Arm der Frau vor mir nur noch ein unförmiger Stumpf ist. Der Rebellenanführer ist nirgends zu sehen.

Die Soldaten um ihn herum agieren wie ein einziges Wesen. Es fasziniert mich, ihre Bewegungen zu beobachten, während sie langsam durch das Gebäude vorrücken. Für eine Weile bleibt es ruhig.

Dann beginnen um mich herum die Menschen im Kugelhagel zu sterben, der Trupp beginnt zu rennen. Sie schützen mich mit ihren Körpern, mich, den sie mehr hassen als alles andere, stürmen den langen Gang entlang während von allen Seiten feindliche Soldaten auf sie einprasseln. Nur ein paar wenige erreichen mit ihm die Tür, die sie gesucht haben. “Rein da. Sofort!” Brüllt einer von ihnen, Die Forscherin taucht an ihm vorbei über die Schwelle. Ich folge. Die Tür schlägt hinter uns zu.

In dem Raum steht ein einzelner Mann an einer riesigen Konsole. Langsam dreht er sich um, beginnt eine Frage. Dann blitzt Erkenntnis über sein Gesicht. Mein Gesicht, dreißig Jahre älter und mit mehr Schmerz in den Augen als ich ertragen kann.

“Warum?” verlange ich zu wissen, die Stimme sprühend vor Zorn. Er schüttelt den Kopf: “Du hast nicht gesehen, was ich gesehen habe. Noch nicht. Eines Tages…”

Ein Schuss hallt durch den Raum, Er sinkt in sich zusammen. Versucht noch etwas zu sagen ehe sein Atem versiegt.

“Es tut mir Leid,” sagt die Forscherin. Sie lässt ihre Waffe zu Boden fallen: “Uns bleibt keine Zeit.”

Sie stürmt zu der blinkenden Konsole, fängt mit der verbleibenden Hand an Schalter zu betätigen, mir Anweisungen zu geben. “Leg deine Hand hier drauf. Sprich hier diesen Satz hinein. Tritt einen Schritt zurück.”

Ich befolge ihre Anweisungen wie in Trance, während mir langsam klar wird, dass ich gerade meinen eigenen Tod gesehen habe. Das ich noch einmal in diesem Raum sein werde. Und das ich hier sterben werde.

Nach und nach verlöschen die Lichter an der Konsole. Ich hebe die Pistole auf, die sie hat fallen lassen, lade nach, richte sie zitternd auf sie. Langsam dreht sie sich zu mir um. Ihre müde Stimme überrascht mich.

“Ich kann dich nicht aufhalten. Bist du mehr, als das Monster, gegen das wir einen Krieg geführt haben? Es kann hier und heute Enden. Es ist deine Entscheidung.”

Wir stehen und für einen langen Moment gegenüber. Ein Licht an der Konsole beginnt schneller zu blinken.

Ich lasse die Waffe sinken. “Initiiere Abbruch.” sage ich und ein das Licht erlischt. Sie schließt die Augen für einen Moment, dreht sich zurück zu Konsole, drückt mehr Knöpfe. Sendet eine Nachricht an die Menschen der Welt. Es ist vorbei. Wir haben gesiegt.

“Du wirst dich nicht daran erinnern.” sagt sie zu mir während sie arbeitet: “Wir dürfen die Vergangenheit nicht verändern.” Sie wendet sich wieder mir zu. Das letzte Licht an der Konsole erlischt.

“Wir werden nie vergessen. Versprochen” Sie lächelt traurig.

Sie wäre schön gewesen, denke ich, hätte sie nicht ihr Leben an einen Krieg verschwendet, den ich zu verantworten haben werde.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s