Short story and art by Wanda Sonnemann

“Zehn” sagt die Stimme in seinem Ohr. Sein Startsignal. Er setzt sich in Bewegung, taucht ein in den Menschenstrom.

“Neun” Ruhelos sucht sein Blick nach einem Vertrauten Gesicht in der Flut von Fremden. Er gleitet zwischen ihnen hindurch, “Acht”.

Sein Schritt wird fester, schneller. Er glaubt sie entdeckt zu haben, doch als die Frau sich umdreht ist ihr Gesicht fremd.

“Sieben” Vögel fliegen auf. Schatten huschen über die Dächer.

“Sechs” Die Menge teilt sich, er beginnt zu rennen.

“Fünf” Er sieht sie, für einen Moment, auf der anderen Seite des Platzes. Dann verschluckt sie das Menschentreiben erneut.

“Vier” Er taucht zwischen Menschen hindurch, stößt andere beiseite, “Drei”.

Eine Mann bringt ihn aus dem Gleichgewicht, schimpft auf ihn ein. Ein Knäuel von Menschen formt sich, durch das er sich mühsam hindurch kämpfen muss.

“Zwei” Fiebernd versucht er sie wieder zu finden. Er ruft ihren Namen. Eine Lücke tut sich in der Menge auf.

“Eins” Er kann sie jetzt sehen, nur wenige Meter von ihm entfernt. Sie dreht sich langsam zu ihm um. Er stürmt los.

“Null” Ihre Blicke Treffen sich. Ein Schuss zerreißt die Luft, hallt in der Häuserschlucht wieder. Er kollidiert mit jemandem, stolpert, stürzt, schlägt hart auf dem Kopfsteinpflaster auf. Tränen sammeln sich in seinen Augen. Er ballt die Hand zur Faust, schlägt gegen den Boden.

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One thought on “Asche

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